Welche Flächen sind robotertauglich?
AkademiePraxis

Welche Flächen sind robotertauglich?

Architektur, Bodenbelag, Hindernisse und Mindestbreiten – die vollständige Eignungsbewertung.

8 Min. Lesezeit

Nicht jede Fläche ist gleich gut geeignet

Ein Reinigungsroboter ist kein Wunderwerk – er braucht Flächen, die mit ihm „sprechen“. Vor jeder Beschaffung steht daher die strukturierte Begehung und Bewertung der Räume. Eine professionelle Eignungsanalyse umfasst typischerweise vier Dimensionen: Bodenbelag, Architektur, Hindernisse und Infrastruktur. Wer hier sauber arbeitet, verhindert die häufigste Ursache gescheiterter Roboter-Projekte: einen Roboter, der zwar fährt, aber nur 60 % der Fläche tatsächlich erreicht.

Bodenbelag – die Grundlage jeder Eignung

Geeignet sind harte, ebene Beläge mit gleichbleibender Reibung. In der Praxis funktionieren autonome Scheuersaug- und Saugroboter zuverlässig auf:

  • PVC, Linoleum, Kautschuk (ideal, hohe Wischqualität)
  • Naturstein, Feinsteinzeug, Keramik (sehr gut, leichte Hindernisse durch Fugen)
  • Versiegelter Beton, Estrich, Industrieboden (gut, Sensorik bei stark glänzenden Flächen prüfen)
  • Kurzflorteppich bis 6 mm (nur bei reinen Saugrobotern)
  • Hochflorteppich, Sisal, lose verlegte Beläge: nicht geeignet
  • Stark profilierte Industrieböden (Noppen >5 mm): nicht geeignet für Nassreinigung

Architektur und Verkehrswege

Roboter brauchen klar erkennbare Achsen und Verkehrsflächen. Aus 150+ dokumentierten Inbetriebnahmen lassen sich folgende Faustregeln ableiten:

  • Mindestbreite Verkehrsweg: 90 cm (kompakte Geräte), 120 cm (Standard-Scrubber), 150 cm (Großgeräte)
  • Türen: ab 80 cm Durchgang, idealerweise automatisch oder mit BLE-Türsteuerung
  • Wendekreise: mindestens 1,5 m² freie Fläche pro Wendepunkt
  • Steigungen: max. 5–8° (gerätespezifisch im Datenblatt prüfen)
  • Stufen: nur mit Lift-Anbindung (BLE/IoT) oder Schwellen-Funktion bis 2 cm
  • Aufzüge: API-Anbindung oder physisches Modul (KONE, Schindler, ThyssenKrupp bieten Schnittstellen)

Hindernisse – statisch vs. dynamisch

Statische Hindernisse (Säulen, fest verbaute Möbel, Pflanzkübel) sind kein Problem – sie werden bei der Kartierung einmalig erfasst. Dynamische Hindernisse (Menschen, Rollcontainer, Einkaufswagen) erkennt moderne LiDAR-/3D-Sensorik zuverlässig. Problematisch werden: lose Kabel auf dem Boden, Türmatten mit Fransen, tiefhängende Objekte unter 30 cm (Sensorik-Horizont), spiegelnde Glasflächen ohne Markierung, häufig umgestellte Stuhlreihen. Hier muss organisatorisch nachgesteuert werden – z. B. Stuhlordnung nach Arbeitsende, Kabelkanäle, Türmatten-Erkennungsbereiche definieren.

Infrastruktur – oft vergessen

Eine Roboterflotte ist nur so gut wie ihre Infrastruktur. Vor der Inbetriebnahme prüfen: WLAN-Abdeckung in jedem Bereich (mind. -65 dBm, idealerweise Mesh-Netz), Ladestation mit eigener 230-V-Steckdose (kein Mehrfachstecker), Frischwasseranschluss in <50 m Entfernung, Schmutzwasser-Entleerungspunkt (Bodenablauf oder Ausguss), trockener Stellplatz mit ca. 1,5 × 1,5 m, Beleuchtung für Nachteinsätze (Kamerasysteme benötigen Restlicht).

Die strukturierte Vor-Ort-Begehung

Eine professionelle Begehung dauert 2–4 Stunden je Objekt und sollte folgende Schritte umfassen: 1) Grundriss und Flächenberechnung, 2) Bodenkartierung mit Belags-Foto pro Bereich, 3) Vermessung kritischer Engstellen, 4) WLAN-Site-Survey, 5) Definition der „No-Go-Zonen“, 6) Festlegung Ladestation und Versorgungspunkte, 7) Abstimmung mit Hygieneplan und Sicherheitsbeauftragten. Das Ergebnis ist ein Eignungs-Score (typischerweise 0–100) als Basis für die Geräte- und Modellwahl.

Fazit

Eine Begehung mit dem Hersteller oder einem unabhängigen Berater spart bares Geld. Sie zeigt, welche Bereiche tatsächlich autonom reinigbar sind und wo Hybridmodelle (Roboter + Mensch) sinnvoller bleiben. Faustregel aus der Praxis: Wenn der Eignungs-Score unter 70 liegt, sollte das Projekt umgeplant werden – nicht der Roboter gewählt.